Die meisten Indie-Autoren im deutschsprachigen Raum veröffentlichen ausschliesslich auf Deutsch — und erreichen damit einen Bruchteil ihres möglichen Publikums. Wie gross dieser Unterschied tatsächlich ist, lohnt sich einmal in Zahlen anzuschauen.
Die Marktgrössen im Vergleich
- Deutsch (DE/AT/CH): rund 130 Millionen Sprecher, dafür ein starkes Ökosystem (Tolino, hohe Kaufkraft)
- Englisch: rund 1,5 Milliarden Sprecher, etwa 37% des globalen Ebook-Markts
- Spanisch: rund 560 Millionen Sprecher, zweitgrösster Buchmarkt mit starkem Wachstum
- Portugiesisch (v. a. Brasilien): rund 215 Millionen Sprecher, Hörbuch-Wachstum von über 45% in den letzten Jahren
- Französisch: rund 310 Millionen Sprecher, mit Kobo als dominanter Plattform in Frankreich/Kanada
Ein Buch, das nur auf Deutsch existiert, erreicht rechnerisch ~130 Millionen potenzielle Leser. Mit einer englischen Übersetzung dazu sind es rund 1,5 Milliarden — ganz ohne zusätzliches Marketing, einfach weil das Buch in dieser Sprache überhaupt existiert.
Was das für die Rechnung bedeutet
Eine Übersetzung ist eine einmalige Investition (ab niedrigem zweistelligem Betrag bei KI-gestützten Diensten, deutlich mehr bei klassischen menschlichen Übersetzern), der Marktzugang danach ist dauerhaft. Anders gesagt: die Kosten fallen einmal an, der potenzielle zusätzliche Absatz läuft über die gesamte Lebensdauer des Buches.
Realistisch einordnen sollte man das trotzdem: laut Selfpublisher-Umfragen aus dem DACH-Raum verdienen die meisten Indie-Autoren auch im Heimmarkt nur wenig — die grosse Mehrheit unter 50 Euro im Monat. Eine Übersetzung verwandelt kein mittelmässig verkaufendes Buch automatisch in einen Bestseller. Was sie tut: sie öffnet einen zusätzlichen Kanal, der bei einem Buch, das im Heimmarkt bereits funktioniert, das Potenzial hat, sich zu vervielfachen — weil der englischsprachige Markt allein gut zehnmal grösser ist als der deutschsprachige.
Für wen sich das eher lohnt
Eher ja: Bücher, die im Heimmarkt schon eine gewisse Leserschaft gefunden haben, Serien (wo sich der Übersetzungsaufwand über mehrere Bände amortisiert), Genres mit international vergleichbarem Geschmack (Fantasy, Romance, Thriller — weniger stark kulturell gebunden als z. B. Regionalkrimis mit sehr lokalem Bezug).
Eher abwarten: Das allererste Buch, bevor sich zeigt, ob es überhaupt im Heimmarkt funktioniert — hier zuerst Feedback und Verkaufszahlen sammeln, dann über Übersetzung nachdenken, statt von Anfang an in mehrere Sprachen gleichzeitig zu investieren.